Interview #30 - Simone

Im Rahmen meiner Interviewrunde möchte ich Euch eine weitere erfolgreiche, spannende Persönlichkeit mit einem besonderen Lebensweg vorstellen - Simone. 

 

Beim ersten Aufeinandertreffen mit Simone habe ich 20 Minuten geweint (eine eher ungewöhnliche Kennenlerngeschichte). Sie war bei einer GedankenTANKEN-Rednernacht in Köln auf der Bühne und hat einen sehr persönlichen Vortrag gehalten. 

 

GedankenTANKEN bringt Speakerinnen und Speaker zu den verschiedensten Themen auf die Bühne, welche einen Impulsvortrag von 18 Minuten halten. 

 

Normalerweise kenne ich alle Speaker, die bei den Rednernächten die Bühne rocken. Die Sprecherin mit dem anmoderierten Titel "Können Hühner Leben retten?" war mir bis dato unbekannt und mit dem Titel konnte ich im ersten Moment gar nichts anfangen. 

 

Erst während des Vortrags wurde mir klar, welche eine starke und imponierende Frau auf der Bühne steht.

 

Simone hat ihre einzige Tochter bei einem Verkehrsunfall verloren. Die Hühner, welche ihre Tochter so liebte halfen ihr, nach diesem Verlust, aus dem Bett zu steigen und kurz ein wenig Alltag in ihr Leben zurück zu bringen. Zwei Jahre später verließ ihr Ehemann sie. Sie war wieder am Boden zerstört. Neben dem emotionalen Schmerz stand sie nun auch noch vor dem finanziellen Aus. Sie hat sich ins Leben zurück geboxt. Chapeau! Chapeau!

 

In ihrem Vortrag spricht sie immer wieder von den "Spalten, durch die das Licht scheint". Kurze Momente, welche Handlungsfähigkeiten geben und die einen helfen weiter zu machen auch wenn alles so sinnlos erscheinen mag. Hier der Link zu ihrem Vortrag: https://www.youtube.com/watch?v=yjMyN0gmehg

 

Simone ist mittlerweile nicht mehr aktiv als Rettungsassistenin. Sie gibt jedoch mit voller Leidenschaft noch Erste-Hilfe-Kurse. Zudem startete sie im März als Führungskraft durch und bietet  Kommunikationskurse für Unternehmen an. Sie will ein Buch schreiben. Man merkt: Sie brennt für ihr Thema.  

 

Nun zu den Interviewfragen: 

 

#1: Was ist für Dich das Wichtigste im Leben?

Das Wichtigste für mich sind meine Freunde. Ich habe schon immer einen sehr stabilen Freundeskreis gehabt (mit manchen Menschen bin ich seit 40 Jahren befreundet) und habe Freundschaften immer gepflegt. Als meine Tochter starb habe ich voller Dankbarkeit erfahren können, was Menschen leisten können, wenn sie Dich unterstützen möchten. Ohne meine Freunde hätte ich die schlimmen Jahre nicht überlebt. Emotional nicht und wirtschaftlich nicht.

 

#2: Welche menschliche Leistung imponiert Dir am meisten?

Das gibt es ganz Verschiedene. Wann immer Menschen etwas schaffen, bewundere ich das. Reinhold Messner mit seinen unglaublich körperlichen und willentlichen Leistungen bewundere ich schon seit ich ein Teenager war. Im Moment folge ich einer jungen Frau, die in Rumänien ein solch beispielloses humanitäres Hilfsprojekt auf die Beine stellt, dass es einem fast die Tränen in die Augen treibt. Ich selber war in Rumänien tätig und weiss, welchen Herausforderungen sie sich jeden Tag zu stellen hat. Und ich bewundere einfach jeden Mensch, der sich täglich seinen persönlichen Herausforderungen stellt. Der Alkoholiker, der sich zum 10. Entzug entscheidet, die Eltern, die ihre Kinder auf einen 2-stündigen, gefährlichen Schulweg schicken und für ein besseres Leben ihrer Kinder kämpfen. Die Liste ist für mich endlos.

 

Und ich bewundere Menschen, die nicht verbittern, sondern Lachen und Liebe im Herzen bewahren, egal wie das Leben mit ihnen umgesprungen ist.

 

#3: Welchen Tipp würdest Du Absolventinnen oder Young Professionals gerne mitgeben?

Was immer Du tust, frage Dich, ob es das ist, was Du tun möchtest. Niemand muss ein Leben lang Rechtsanwalt sein, wenn er lieber Hebamme wäre. Bleib beweglich; kauf nicht direkt ein Haus – Immobilie macht immobil – bleib beweglich. Es ist nie zu spät eine Entscheidung zu ändern, dem Leben eine neue Richtung zu geben. Gib nie auf, die Zeit, in der man aufgegeben hat, gibt einem niemand zurück. Lass Dich nicht aus fürsorglichen Ratschlägen und aus beschützender Liebe heraus von den Menschen in Deinem Umfeld aufhalten. Es ist DEIN Leben.

 

#4: Wie kannst Du am besten entspannen?

Wenn ein Tag in meinem Terminkalender komplett leer ist. Ich leibe es keine Termine zu haben und ich kann mich den ganzen Tag lang entscheiden, was ich JETZT tun möchte. Ich geh gern essen mit Menschen von denen ich weiss, dass sie etwas Interessantes zu erzählen haben.

 

#5: Was tust Du um gesund und fit zu bleiben?

Ääh…so gar nichts. Das ist etwas, was sich einfach nicht in mein Leben einfügen will. Und warum ich das so schlunzig bin, verstehe ich bis heute nicht.

 

#6: Welchen Ritualen gehst Du täglich, wöchentlich und/oder monatlich nach?

Ich gehe einmal die Woche zur Thai-Massage – da halte ich dran fest, egal wie voll der Terminkalender ist. Ich liebe es. Und ich gucke Samstagnachmittags Jamie Oliver. Das ist heilige Zeit und wehe, da ruft mich jemand an. Ich liebe diesen Mann. Seine leidenschaftliche Art zu kochen, seine Begeisterung, wenn er über Kochen spricht und das er sich immer selber treu bleibt – er kocht nämlich und macht sich nicht wie andere Köche in irgendwelchen dämlichen Shows zum Affen – das macht ihn für mich sehr authentisch.

 

#7: Was ist Deine größte Stärke?

Auweia….das ist aber schwer. Weißt Du, manchmal sehen Außenstehende etwas in Dir als etwas Besonderes an und Du findest diese Eigenschaft völlig normal. Mir geht das meistens so. Menschen sagen mir: Du bist ja so und so und das ist toll und ich denke: „Hä? Echt jetzt? Ist das nicht normal?“

 

Ich denke, ich kann sehr gut mit Menschen umgehen. Es gibt wenig Menschen zu denen ich keinen Zugang finde. Ich bin auf eine gewisse Art anpassungsfähig, kann mich gut auf Situationen einstellen. Ich kann in den allermeisten Lebenssituationen noch lachen (nicht falsch verstehen – auch mir ist schon das Lachen vergangen im Leben – ich bin kein Berufsclown). Und wahrscheinlich besitze ich eine gewissen „Lebensstärke“, woher die auch immer kommt.

 

#8: Welche Eigenschaften zeichnen Deiner Meinung nach tolle Frauen aus?

Eigentlich alles das, was auch tolle Männer auszeichnet, oder? Intelligenz, Willensstärke, Freundlichkeit, Empathie, Beweglichkeit, Offenheit, die Bereitwilligkeit ihr Wissen zu selbstlos zu teilen…….und das alles am Besten ohne Emanzipationsgequatsche.

 

#9: Wer ist Dein Vorbild und warum?

Ich bewundere Jenny Rasche, die junge Sozialarbeiterin in Rumänien. Sie stellt ihr ganzes Leben in den Dienst derer, die niemand sieht. Ich bewundere die Mutter, die drei Söhne in einem Auto sitzen hatte und alle drei sind bei einem Unfall umgekommen, dafür, dass sie morgens aufsteht. Ich bewundere Marlee Matlin – die erfolgreiche, wunderschöne, gehörlose Schauspielerin, weil sie zeigt, dass man alles erreichen kann, was man möchte. Zahllose andere Menschen, die jeden Tag ihr Leben und ihren Job meistern. Ich bewundere jeden Menschen, der sich traut Todesnachrichten an Angehörige zu überbringen. Beim Schreiben fällt mir gerade auf, dass meine Liste an Menschen, denen ich Bewunderung zolle, wohl endlos lang ist.

 

#10: Welche Entscheidung in Deinem Leben hat Dich am meisten Mut gekostet und hatte den größten positiven Einfluss auf Dein Leben?

 

Ich denke, es war die Entscheidung Rettungsassistentin zu werden und mich nach der Ausbildung auf so einen roten 6,5-Tonner zu setzen und mit Karacho durch die Straßen zu düsen um Leben zu retten. Mit 47 Jahren als Frau diesen Beruf zu erlernen war sicher ein verwegener Plan. Vor allem mit meiner Vorgeschichte. Und sehr viel von dem was ich heute bin und tue, resultiert aus dieser Entscheidung.

........................................................................................................................................................................................................

Hühner können wohl wirklich Leben retten.

-Katharina 

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Angie (Sonntag, 21 Juli 2019 14:23)

    Hochachtung Frau Hoch!!
    Tolles Interview!!